Sehr geehrer Herr Vize-Bürgermeister,
nachdem Sie am Freitag bei der Informationsveranstaltung meinten, mich bei meiner Wortmeldung persönlich attackieren und niederschreien zu müssen, nehme ich an, dass meine Argumente nicht bis zu Ihnen durchgedrungen sind. Deshalb hier ein nochmaliger Versuch speziell für Sie, ganz einfach und mit Beispielen.
Ihrer Meinung nach soll auf den Ortsgebiet von Stranzendorf in Zukunft nicht mehr Strom mittels Windkraft erzeugt werden, als für die Bevölkerung hier nötig ist. "Ihr Wind" soll nur Stranzendorfern zu Gute kommen. Sie wollen das Landschaftsbild nicht mit mehr Windrädern als nötig "verschandeln", um auch Ökostrom für andere Regionen zu produzieren. Sie wollen keinen Beitrag zur Rettung unseres Klimas leisten, weil Windräder nicht schön anzuschauen seien. Und überhaupt: wie mehrmals bekräftigt wäre Ihnen und dem potenten Bürger ihres Ortes und Initiator des Gegenprojekts überhaupt am liebsten, wenn es gar keine Windräder gäbe, das es ihm allein um seine schöne Aussicht auf das Tullnerfeld gehe. Aber man müsse halt das gemeindeübergreifende Projekt mit bis zu 23 Windrädern der Windkraft Simonsfeld verhindern und da schaue es blöd aus, wenn man ganz dageben ist...
Lieber Herr Vize-Bürgermeister. Ihnen dürfte in der hitzigen Diskussion nicht aufgefallen sein, dass Sie Vorsteher eines Ortes sind, der allein nicht lebensfähig ist und selbst keinerlei Infrastruktur besitzt. Sie wollen für andere Gemeinden und Regionen Österreichs nicht den Anblick von Windrädern ertragen, während Ihre Bürger ohne Leistungen anderer Orte, Gemeinden und Städte nicht existieren könnten. Bürger Ihres Ortes
...werden in Spitälern in umliegenden Städten geboren und bei Krankheit behandelt,
...gehen woanders in den Kindergarten, in die Schule und zur Uni,
...sind darauf angewiesen, dass andere Gemeinden und Städte die Rahmenbedingungen für Arbeitsplätze für Ihre Bürger schaffen,
...fahren ganz selbstverständlich woanders hin, um Lebensmittel und sonstige Produkte einzukaufen, weil es in Ihrem Ort kein Geschäft gibt,
...fahren an unzähligen Orten (und Menschen) vorbei, wenn sie in die Arbeit, zum Einkaufen oder in die Freizeit fahren...
...fliegen auf Urlaub und tragen zur Lärmbeeinträchtigung von Bürgern in Flughafen-Nähe bei,
uvm. Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen, wo Stranzendorfer von unserer österreichischen Gesellschaft profitieren, die auf wechselseitige Solidarität aufgebaut ist. Nun wollen Sie diese Solidarität einseitig aufkündigen!
Gänzlich vergessen Sie in Ihrem Populismus, dass Ihr Ort seit Jahrzehnten Strom erhält, der woanders, auch nicht immer zur Freude der jeweiligen Bevölkerung, produziert wurde. Ich selbst bin in Korneuburg aufgewachsen. Wir Korneuburger Kinder mussten nicht nur den weitaus schlimmeren Anblick des kalorischen Kraftwerks ertragen, sondern auch die Emmissionen durch Verbrennung von Heizöl, die in den 70er und 80er-Jahren noch nicht so "sauber" waren wie heute. Wozu? Damit der Strom in Orten wie Stranzendorf aus der Steckdose kommt. Jetzt könnte sich Stranzendorf revanchieren mit ungleich weniger Einschränkungen und ohne Emmissionen!
Weiters bedenken Sie nicht, dass Sie auch mit einem "eigenen" Windrad nicht im Stande sind, auf Leistungen anderer zu verzichten. Sie benötigen den Anschluss ans Stromnetz. Bei Wind benötigen Sie einen Abnehmer des überschüssigen Stroms, sonst wird sich das Projekt nie rechnen. Und wenn kein Wind geht? Was brauchen Sie dann wieder? Strom, der woanders produziert wurde! Und der Gipfel ist: Sie nehmen bei so einem Projekt jahrelang hohe Förderungen in Anspruch für die alle österreichischen Steuerzahler und Stromkonsumenten aufkommen müssen. Die müssen für "Ihr Projekt" zahlen und Sie wollen keinen Strom zur Verfügung stellen. Haben Sie daran gedacht?
Also. Wenn Sie Stranzdendorf autark machen wollen und Wind lieber ungenützt übers Land streichen lassen, statt dass die Allgemeinheit, von der Sie viele Leistungen erhalten, davon einen Nutzen haben soll, dann bauen Sie alle Leistungen in Stranzendorf auf. Bauen Sie ein Spital, einen Kindergarten, eine Schule. Schaffen Sie Arbeitsplätze für die Stranzendorfer und Einkaufsmöglichkeiten. Wenn Sie das schaffen, dann können Sie die Grenzen dicht machen, Ihr Fürstentum ausrufen und Fürst Josef I. werden!
Aber beim Klima wird nichtmal das gehen. Das hält sich nicht an Orts oder Staatsgrenzen. Bei der größten Herausforderung, der die Menschheit je bevorgestanden ist, die Rettung unseres Klimas, braucht es weitsichtigere Leute wie Sie. In Zeiten, in denen Rußland brennt, Polen, Tschechien oder Pakistan ertrinken, Grönland, die Pole und Gletscher abschmelzen und vieles mehr reden Sie über eine "Verschandelung der Landschaft durch Windräder". Sie wollen sich auch hier von anderen retten lassen, von irgendwelchen anderen Menschen auf der Welt, und selbst keinen Beitrag leisten. Klar, Stranzendorf wird nicht die Welt retten, aber wie kann die Welt gerettet werden? Wenn jeder einen kleinen Teil übernimmt im Rahmen seiner Möglichkeiten. Und Stranzendort hat nunmal (fast) nur Wind, während andere keinen Wind haben und dafür vielleicht einen Fluß oder Biomasse. Manche haben aber auch gar keine Möglichkeiten, auch wenn sie wollten...durch Egoismus lässt sich das Problem jedenfalls nicht lösen, schon gar nicht wenn es an "optischen" Gründen scheiterhn soll. Ihre Parteifreunde von Vize-Kanzler, Umweltminister und Landeshauptmann abwärts werden eine Freude mit Ihnen haben!
Und nochwas. Für einen Politiker, dessen Gemeinde (Rußbach) kaum über eigene Einnahmen verfügt (insbesondere wegen fehlender Arbeitsplätze) und großteils von Ertragsanteilen von Steuereinnahmen anderer Gebietskörperschaften lebt sowie für viele Projekte hohe Förderungen des Landes erhält (wie zuletzt beim Kindergarten-Neubau und Straßenerneuerung) ist eine derartige Haltung schon peinlich genug. Aber jemand, der in seinem Beruf als Landwirt jährlich ohne Bedenken mehr als EUR 36.000 (Quelle: www.transparenzdatenbank.at) von den Steuerzahlern von 27 europäischen Staaten erhält, eine Summe, die die meisten arbeitenden Menschen im Jahr nichtmal verdienen, hat endgültig bewießen, dass er als Politiker nichts versteht und keinerlei politische Verantwortung besitzt!
So. Und damit kein Mißverständnis aufkommt. Es ist zwar egal, wofür ich bin weil nur ein einfacher Bürger und Steuerzahler. Aber ich bin aktuell weder für das eine, noch für das andere Projekt. Das Projekt der Windkraft Simonsfeld bietet viel zu wenig Vorteile für die Gemeinde Rußbach und ihre Bürger. Da müsste jemand endlich anfangen für die Gemeinde und die Bürger das Maximum herauszuverhandeln oder andere professionelle Anbieter einladen, ein Angebot zu machen. Und das "Gegenprojekt" ist völlig unausgegoren, als reines Alibi zu klein und moralisch bedenklich. Ich bin für ein Windkraftprojekt, das die Möglichkeiten auf dem Gemeindegebiet von Rußbach, Ökostrom mittels Windkraft (annähernd) ausschöpft, um unsere gesellschaftliche Verantwortung wahr zu nehmen und unseren Kindern in 20 oder 30 Jahren sagen zu können: "Das war unser Beitrag zur Rettung unseres Klimas" und uns nicht von ihnen fragen lassen zu müssen: "Warum hab't Ihr damals nichts oder nur so wenig getan, als es noch nicht zu spät war? Weil Euch die Windräder nicht gefielen und wegen der guten Aussicht?"
Wenn Sie wollen, dann nehmen Sie hier Stellung. Vielleicht haben Sie noch andere Argumente als dass Ihnen Windräder nicht gefallen? Melden Sie sich an und bringen Sie Ihre Argumente vor!
Mit besten Grüßen
Mag. Alexander Neumayer
P.S. Als skandalösen Höhepunkt der Informationsveranstaltung waren Sie untätig, als engagierte, fragestellende Bürger von Nieder- und Oberrußbach, aber auch von Stranzendorf, muntot gemacht werden sollten und vom potenten Initiator des Alibi-Projektes sogar des Saales verwiesen werden sollten. Darunter aktive Gemeinderäte der Gemeinde Rußbach bei einer Veranstaltung, zu der die Gemeinde eingeladen hatte! "Wer nicht für mich ist, soll gehen" und was sagten Sie? Halten Sie das für Demokratie, dass ein Unternehmer, der seine schöne Aussicht auf Kosten der Allgemeinheit erhalten möchte, die Herrschaft in der Gemeinde übernimmt, während die führenden Politiker nur zusehen? Wenn ja, dann gute Nacht Demokratie! Wenn ein Projekt so anfängt, dann lässt das nichts Gutes erahnen...
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